Es ist ein herrlicher Volkssport geworden: Wir klicken im Internet auf Dinge, die uns Angst machen, um uns anschließend beim Kaffee darüber zu empören. Ganz vorne mit dabei im Trend-Portfolio der digitalen Apokalypse: Der „Job-Futuromat“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Wer es noch dramatischer mag, klickt auf internationale Seiten wie „Will Robots Take My Job?“.

Das Prinzip ist immer gleich: Beruf eingeben, Enter drücken, Schock abholen. Da tippt der fleißige Arbeitnehmer seinen Job ein und bekommt eine dicke, fette, rote Zahl vor den Latz geknallt: „Substituierbarkeitspotenzial: 83 %“.

Und was macht unsere Großhirnrinde daraus? „Feierabend. Morgen kommt der Roboter und übernimmt meinen Schreibtisch.“

Die kühnen Träume der Chefetage vs. Die deutsche Realität

Atmen wir erst einmal tief durch. Diese 83 % sind kein Kündigungsschreiben, sondern das feuchte Wunschdenken von Controllern, die glauben, man könnte ein Unternehmen rein mit Algorithmen steuern. Die Wahrheit ist doch: Nur weil eine KI theoretisch Excel-Tabellen schubsen kann, weiß sie noch lange nicht, wie man einen mürrischen Kunden besänftigt oder den alltäglichen Wahnsinn im Büro organisiert.

Aber der moderne Web-Scanner liest ja keine Fußnoten. Dass die Wissenschaftler unter der Schock-Zahl ganz brav erklären, dass es hier nur um die Veränderung von Tätigkeiten geht, geht im digitalen Grundrauschen völlig unter. Keiner verliert hier seinen Job. Was wir verlieren, sind im besten Fall die stinklangweiligen Routineaufgaben, auf die sowieso niemand Bock hat.

Eigentlich müssten wir Arbeitnehmer jubeln! Wenn die KI demnächst die dröge Datenpflege und den standardisierten Mail-Verkehr übernimmt, bleibt endlich wieder Zeit für das, was Arbeit eigentlich ausmacht: Kreativität, echte Strategie, Führung und – ganz wichtig – das kollegiale Gespräch an der Kaffeemaschine.

Das Kleingedruckte hat die Überlebenschance einer AGB

Aber warum Panik schieben, wenn man die Sache ironisch sehen kann? Wir haben verlernt, Informationen im Kontext zu lesen. Wir scannen nur noch. Die Infobox, die erklärt, dass durch den Wandel völlig neue, anspruchsvollere Aufgaben für uns entstehen, hat im modernen Nutzerverhalten die exakt gleiche Überlebenschance wie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen beim Update von WhatsApp: Sie wird ungelesen weggeklickt.

Es ist eine absurde Ironie: Da füttern Experten Datenbanken mit den Profilen von 4.600 Berufen, um uns zu zeigen, wie wir in Zukunft entlastet werden können. Und der Nutzer? Nutzt das Tool als digitales Schafott. Draufklicken, kurz gruseln, Urteil fällen. Dabei wird völlig übersehen, dass kein Algorithmus der Welt die wichtigste Kernkompetenz des Arbeitnehmers ersetzen kann: Gesunden Menschenverstand und die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen.

Also was nun tun? –> Lasst die Maschinen ruhig arbeiten – wir steuern sie

Der Job-Futuromat und seine internationalen Klon-Brüder sind keine Orakel, die unseren Untergang prophezeien. Sie sind im Grunde genommen ein Wunschzettel für die Digitalisierung, der in der Praxis ohnehin an der nächsten Datenschutzverordnung oder dem Budget der Chefetage zerschellt.

Wenn Ihnen also das nächste Mal eine Webseite weißmachen will, dass Ihr Tätigkeitsfeld quasi schon wegrationalisiert ist, lehnen Sie sich entspannt zurück. Solange die KI zwar fehlerfreie Texte generieren kann, der Mensch aber schon daran scheitert, sie ganzheitlich zu lesen, sind wir Arbeitnehmer absolut sicher. Werden sich unsere Jobs verändern? Logisch. Aber wer will schon bis zur Rente exakt dasselbe tun? Schieben wir die Routine ruhig rüber zum Server – wir kümmern uns um das, was wirklich zählt.

83 % ersetzbar? Warum der „Job-Futuromat“ die beste Ausrede für den nächsten Kaffee ist

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